Einführung
Die Prysmian Kabel und Systeme GmbH stellt Mittel- und Niederspannungskabel sowie PVC- und Gummifüllmassen her. Außerdem befindet sich dort die Forschungs- und Entwicklungsabteilung für Energiekabel (F&E).
Die wichtigsten Produktgruppen sind:
- XLPE-isolierte Mittelspannungskabel
- Installationskabel und -leitungen
- halogenfreie Kabel und Leitungen mit verbessertem Verhalten im Brandfall
- Seekabel
- PVC- und XLPE-isolierte Niederspannungskabel
Das Unternehmen wurde 1960 unter dem Namen Kabelwerk Nord und 54 Angestellten gegründet. 1963 beschäftigte es 1.000 Mitarbeiter. Im Jahr 1971 war es mit 1.500 Beschäftigten das zweitgrößte Kabelwerk in der ehemaligen DDR. Im Jahr 1992 fusionierte das Werk mit der Siemens AG. Es folgten Investitionsmaßnahmen in Höhe von 170 Millionen DM zur Verbesserung der Infrastruktur und Logistik. Es folgten in den nächsten Jahren einige Veränderungen in der Unternehmensstruktur und Produktionsverlagerungen. Seit 2011 gehört das Unternehmen zur Prysmian Group, dem Weltmarktführer in der Kabelindustrie. Heute arbeiten am Industriestandort Schwerin rund 260 Mitarbeiter*innen.
Basisinformationen
| Name des Unternehmens: | Prysmian Group |
|---|---|
| Mitarbeiterzahl: | > 250 |
| Hauptsitz: | Mailand, Italien (Standort u. a. in Schwerin) |
| Branche: | Energie- und Telekommunikationskabel |
| Rechtsform: | Handelsgesellschaft |
Arbeitsgeschichte
Initiator dieses Best-Practice-Beispiels ist der 37-jährige T. L., der im Unternehmen eine Ausbildung zum Industriemechaniker für Maschinen und Systemtechnik absolvierte. Danach hat er viele Jahre in der Produktion gearbeitet und lernte das Unternehmen wie seine Westentasche kennen. Nachdem einige Kolleg*innen von einem Beratungsunternehmen für Digitalisierung (MV-Works) geschult worden waren, sah Thomas L. die Chance, eine einfache Idee zu verwirklichen, nämlich das Wissen älterer Mitarbeiter*innen per Video zu speichern, die ihm schon länger im Kopf herumschwirrte. Das wertvolle Wissen und die Erfahrung der älteren Arbeitskräfte soll nun über kurze Erklärvideos an die weniger erfahrenen Kolleg*innen weitergegeben werden. In den Videos werden einzelne Arbeitsschritte eines Rüstvorgangs, die auch Informationen zur Arbeitssicherheit enthalten, kurz und prägnant visuell erläutert und mit einfachen Erklärungen ergänzt.
Derzeit beschäftigt das Unternehmen ca. 225 Produktionsmitarbeiter*innen mit einem Durchschnittsalter von 52 Jahren. Viele von ihnen sind seit 30 bis 40 Jahren im Unternehmen, haben dort in jungen Jahren ihre Ausbildung absolviert und sind nun alte Hasen. Viele der Senior*innen gehen nun nach und nach in den Ruhestand.
Das Hauptaugenmerk des Unternehmens liegt darauf, den Standort Schwerin als einen der großen Produktionsstandorte der Prysmian Group weiter zu etablieren und die Effizienz und Rentabilität zu steigern. Die Hauptaufgabe der Seniorinnen und Senioren ist die Arbeit in der Produktion, die in der Regel körperlich schwere Arbeit unter klimatisch rauen Bedingungen ist. Am Standort gibt es mehrere Produktions- und Wartungshallen, in denen die Maschinen rund um die Uhr laufen, und die Arbeiter*innen in einem 4-Schicht-System agieren.
Der Hauptgrund für die erfolgreiche Anpassung ist, dass Thomas L. schon als junger Mitarbeiter selbst die Erfahrung gemacht hat, dass er oft genervt war, wenn ältere Kolleg*innen im Urlaub oder krank waren, er etwas an einer Maschine umbauen musste, aber niemand da war, der es ihm richtig erklären konnte. Ein hoher wirtschaftlicher Schaden für das Unternehmen und ähnliche Vorfälle kamen aus diesen Gründen mehrfach vor. Abgesehen von Altersgründen werden im Unternehmen zunehmend Migrant*innen beschäftigt. Die Erklärvideos können helfen, Sprachbarrieren zu überwinden.
Thomas L. ist es wichtig, der Belegschaft, vor allem den älteren, nicht einfach etwas Neues aufzudrängen. Er will sie mitnehmen. Das erfordert Geduld und eine gute Kommunikation. Für das Videoprojekt konnte er alle seine älteren Kolleginnen und Kollegen überzeugen, mitzumachen. Natürlich war es anfangs ungewohnt, bei der Arbeit gefilmt zu werden, aber niemand hatte Einwände oder verweigerte die Teilnahme. Thomas L. ist stolz auf die erfolgreiche Umsetzung des Videoprojekts und ist bestrebt, es aktiv voranzutreiben.
Nützliche Einblicke
Es gab keine Hürden zu überwinden, nur Geduld und die Überzeugung, das Richtige zu tun, und es brauchte etwas mehr Überzeugungsarbeit bei einigen Arbeitnehmer*innen, aber es gab keinen Widerstand. Die Geschäftsleitung unterstützte das Vorhaben vorbehaltlos und sah natürlich auch die Vorteile. Die Geräte wurden ohne zu zögern beschafft. Ein anderer Kollege leistet technische Unterstützung. Nach der Aufnahme müssen die Videos noch bearbeitet, geschnitten und der Ton nachbearbeitet werden, da der Maschinenlärm in den Hallen sehr laut ist.
Die Umsetzung dieser Best Practice begann im April 2022 und nach mehreren Monaten sind die Videos noch nicht für alle Maschinen und Rüstvorgänge fertiggestellt. Es dauert eine gewisse Zeit, aber das Projekt schreitet voran. Ziel ist es, die Erklärvideos in der Leistungsbeschreibung/ im Produktionsauftrag, auf den Papieren per QR-Code digital umzusetzen. Es soll auch eine Checkliste eingebaut werden, die jede*r Mitarbeiter*in abarbeiten muss. Wie bereits erwähnt, enthalten die Videos auch Informationen z.B. zur Arbeitssicherheit und Maschinenwartung.
Anregungen zum Nachdenken
Sie haben bereits weitere Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Altersmanagement im Unternehmen umgesetzt.
- Wenn ein*e Arbeitnehmer*in aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage ist, bestimmte Arbeiten zu verrichten, wird immer nach einer individuellen Lösung gesucht, damit er oder sie im Unternehmen bleiben kann.
- Arbeitnehmer*innen ab 58 Jahren haben die Möglichkeit, Altersteilzeit zu beantragen.
- Die Einführung eines Prämiensystems. Jede*r Vorarbeiter*in bewertet seine/ihre Kolleg*innen einmal im Jahr, unter anderem wie gut ein*e Mitarbeiter*in sein/ ihr Wissen weitergibt.
- Mit bereitwilligen älteren Mitarbeiter*innen, die bereits im Ruhestand sind, werden Beraterverträge abgeschlossen. Sie kommen dann ein- bis zweimal im Monat in den Betrieb und geben ihr Wissen an weniger erfahrenes Personal weiter, z. B. beim Einrichten einer Maschine oder im aktuellen Fall, wo es große Engpässe in der Wartung gibt.
Schlüsselwörter
Kabelindustrie, wertvoller Industriestandort, Entwicklung und Wachstum, wichtig für die Region





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